Fachtag zur Jungen*arbeit in Hessen 2020 „Der schmale Grat – Jungen*arbeit zwischen prekären Lebenslagen von Jungen*, Empowerment und strukturellen Begebenheiten“

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Datum: 26.10. und 27.10.20                 Ort: Frankfurt am Main, hoffmanns höfe

Teilnehmende: am 26.10.20 =10 Personen am 27.10.20= 19 Personen, 5 Personen haben Online an der Veranstaltung teilgenommen 3 Referenten plus 2 Moderatoren

14 angemeldete Personen waren verhindert (aufgrund Reisebeschränkungen hinsichtlich Corona).

Moderation: Alexander Arnold/Chris Hey-Nguyen (Fachgruppe Jungen*arbeit Hessen)

Der Fachtag Jungen*arbeit findet dieses Jahr unter dem Titel „Der schmale Grat – Jungenarbeit zwischen prekären Lebenslagen von Jungen*, Empowerment und strukturellen Begebenheiten“ statt. Was wir genau wir mit dem Fachtag vorhaben und was wir mit dem „schmalen Grat“ meinen, wollen wir kurz noch einmal erklären. 

Wer mit dem Zug nach Frankfurt kommt, sieht die Skyline als Symbol wirtschaftlicher Stärke und Wachstums. Macht man sich dann auf den Weg in die Einkaufsstraßen der Innenstadt, fallen jedoch auch die vielen Menschen auf, die wenig Geld zu haben scheinen, obdachlos sind und, um ihre Grundbedürfnisse erfüllen zu können, betteln müssen. Dieses Bild beschränkt sich nicht nur auf Frankfurt, sondern kann in jeder anderen hessischen Großstadt und auch in ländlichen Regionen beobachtet werden.

Auch wenn uns Armut auf diese Weise oft begegnet, bleiben viele Aspekte davon auf gewisse Weise unsichtbar. „Über Geld spricht man nicht“ heißt es so oft und es scheint beinahe, als würde man auch über “kein Geld” nicht sprechen. Vielleicht versucht man sogar zu kaschieren und zu verstecken, wie es um die eigene finanzielle Situation bzw. die Situation der Familie bestellt ist. Ein neues Paar angesagter Turnschuhe oder ein neues Handy mit einem Vertrag, der eigentlich zu teuer ist, hilft ggf. auch mit Scham umzugehen, bzw. nicht auf Anhieb als “arm” erkannt zu werden.

Für Jugendliche bedeutet Armut zudem häufig auch, dass sie weniger Teilhabechancen und weitreichende Nachteile im Bildungssystem haben. Die Corona-Pandemie und Homeschooling haben hier mehr als deutlich gemacht, was schon lange Zeit im Argen liegt. Wenn die Voraussetzungen wie PC, schnelles Internet oder einfach auch ein eigenes Zimmer fehlen, ist die Teilhabe am “Unterricht” nur schwer bis gar nicht möglich. 

Nur sehr wenige in Armut lebende junge Menschen absolvieren ein Abitur und nehmen ein Studium auf. Armut wird sozial vererbt und es ist schwer sich von ihr zu befreien. Wird Menschen zugeschrieben “arm” zu sein folgt außerdem häufig auch die Zuschreibung von diversen Vorurteilen und Stereotypen. Dies geschieht außerdem in einer neoliberalen Gesellschaft, in der Menschen für ihre sozioökonomische Situation selbst verantwortlich gemacht werden.  

In Auseinandersetzung mit anderen Formen von Benachteiligung, z. B. Sexismus oder Homo- und Trans*feindlichkeit fällt auf, dass starke soziale Bewegungen gegen diese ankämpfen. Die queere Community und der Feminismus setzen sich seit Jahren für die Reche von LSBT*IQ-Personen und Frauen* ein. Benachteiligung fließt hier in Subjektivierungsprozesse ein und Ungerechtigkeit, bzw. Diskriminierung, wird damit sichtbar und bewusst. Indem man andere Personen kennenlernt, denen es ähnlich geht und die sich der eigenen Benachteiligung auch bewusst sind, entsteht ein “wir” und gemeinsamer Widerstand wird möglich.  

“Arbeiterbewegung” und “Klassenkampf” sind Worte von gestern. Es existieren kaum “Subjektivierungsweisen” oder “Identifikationsangebote”, also Lebensweisen- und einstellungen, die offensiv und widerständig mit eigener Armut umgehen. Kann man/sollte man sich überhaupt mit etwas identifizieren, das man eigentlich überwinden will? Wie kann Empowerment gelingen, wenn Armut keine identitätsstiftende Kategorie ist? Was können wir für Angebote machen und welche (auch wertenden) Aussagen treffen wir, wenn wir Angebote machen? Mit welchen anderen Ungleichheiten ist Armut verzahnt und wie sehen mögliche Zugänge aus?

Es ist nicht die Aufgabe der Jungen*- oder Jugendarbeit, defizitorientiert auf junge Menschen zu schauen oder sie gar für den Arbeitsmarkt verwertbar “aufbereiten” zu wollen. (Chris Hey-Nguyen)

Stattdessen sollten wir nachdenken, gemeinsam diskutieren und uns einige Fragen stellen. 

  • Wie können Angebote für Jugendliche die in Armut leben zugänglicher gemacht werden?

  • Wie können wir versuchen in der Arbeit mit Jungen Menschen Scham bzgl. Armutsverhältnissen abzubauen? 

  • Wie können wir als meist studierte Fachkräfte einen guten Draht zu Menschen bekommen, die in Armut leben?

  • Wie können wir unsere eigene Haltung zu Armut reflektieren?

  • Wie können Jungs* dabei unterstützt werden, sich gegen strukturelle Benachteiligung zu wehren aber auch gegen soziale Zuschreibungen? 

  • Was hat das mit Männlichkeitskonstruktionen und protestierenden Männlichkeiten zu tun und wo liegen mögliche Fallstricke? 

Zusammengefasst heißt das dann:

  • Wie können wir Jungs* unterstützen mit Armut umzugehen?

  • Wie können wir ihnen dabei helfen, sich gegen Armut zur Wehr zu setzen? 

 

Ablauf 27.10.20 PDF Start Veranstaltung

9:30 Ankommen

10:00 Begrüßung

10:15 Einstieg und Vortrag plus Großgruppenarbeit mit Olaf Jantz PDF Vortrag

12:00 Mittagspause

13.00 Workshopphase

16:30 Ende der Veranstaltung

13.00- 16.00 Uhr Workshopphase (mit interner Kaffeepause)

A) „Arme Jungs“ - Welche Struktur benötigen Einrichtungen und Träger, um Jungen in Armutsverhältnissen angemessen unterstützen zu              können? Referent: Olaf Jantz

B) „Und Du so?“ Biografiearbeit als besonderes Instrument der Jungen*arbeit PDF Ablauf Workshop

 Referenten*: Gernot Bach-Leucht & Lars Richter

C) „Beziehungsarbeit mit Jungen im Jugendraum“ wegen Krankheit ausgefallen

Referenten*: Matthias Hess und Christian Sieling